Wie grün ist die deutsche Start-up-Welt?
Innovationsdruck auf etablierte Branchen durch Green Start-ups
Text: Sabine Büttner

Ob dünnschichtige Solarzellen, Batterierecycling, urbaner Gemüseanbau oder KI-gesteuertes Energiemanagement – Green Start-ups übersetzen ökologische Herausforderungen in marktfähige Geschäftsmodelle. Ihre Technologien und Dienstleistungen zielen darauf, Umweltbelastungen zu reduzieren, bereits entstandene Schäden zu beheben oder deren Entstehung zu verhindern. Durch schnelle Markteinführungen und das Testen neuer Geschäftsmodelle setzen sie damit auch etablierte Branchen unter Innovationsdruck und treiben den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft voran.
Anteil grüner Gründungen geht zurück, aber NRW gehört zu den Hotspots
Die Zahl grüner Gründungen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren gestiegen, auch wenn ihr relativer Anteil an allen Start-ups zuletzt gesunken ist. Zwischen 2016 und 2025 zählt der Green Startup Report 2026 hierzulande die Gründung von 4.668 Green Start-ups. 2025 entfielen 13 Prozent der Neugründungen auf grüne Start-ups – ein Rückgang um sieben Prozentpunkte im Vergleich zu 2024. Die Autor*innen führen diesen Rückgang auf verschiedene Faktoren zurück, darunter eine veränderte Aufmerksamkeit gegenüber anderen Schwerpunktthemen wie KI, Nachfrage- und Marktunsicherheiten. Auch sich immer wieder ändernde gesetzliche Vorgaben beeinflussten die Entwicklung.
Der GreenTech Monitor 2025 des Startup-Verbands kommt – auf Basis anderer Definitionskriterien – für 2024 auf einen Anteil von 13 Prozent GreenTech-Start-ups und verzeichnet ebenfalls einen Rückgang seit dem Spitzenwert im Jahr 2022. Als Ursache wird unter anderem die Konsumkrise in den Bereichen Lebensmittel, Konsumgüter und Automobilbranche genannt, die besonders B2C-orientierte grüne Start-ups trifft. Gleichzeitig war 2025 – über alle Branchen hinweg – ein Rekordjahr für die deutsche Start-up-Szene mit einem Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Startup-Verband 2026).
Werfen wir noch einen Blick auf den regionalen Vergleich: Hier gehört Nordrhein-Westfalen neben Berlin und Bayern zu den Hotspots grüner Gründungen. Der Green Startup Report 2025 weist für NRW einen Anteil von 15,6 Prozent grüner Unternehmen an allen Start-up-Gründungen aus.
Von GreenTech zu ClimateTech: Begriffliche Abgrenzungen
Wer nach Start-ups sucht, die Innovationen für den Klimaschutz entwickeln, stößt auf einen bunten Strauß an Begriffen: Green Start-ups, GreenTech-, CleanTech-, ClimateTech-Start-ups. Diese werden teils synonym verwendet, teils grenzen sie ein engeres Verständnis ab. Gemein ist ihnen, dass Umwelt- und Klimaschutz zentrale Bestandteile bzw. Kernelemente der Geschäftsstrategie sind und die Unternehmen einen innovativen Beitrag zu den Zielen einer Green Economy leisten.
- Unter dem Label Green Start-up versammelt sich dabei meist ein breiteres Spektrum an Lösungsansätzen, das auch Geschäftsmodelle jenseits reiner Technologieentwicklung einschließt.
- GreenTech oder CleanTech verweisen demgegenüber stärker auf technologiegetriebene Lösungen, etwa neue Verfahren der Energieerzeugung, Effizienzinnovationen oder ressourcenschonende Verfahren.
- Noch spezifischer auf Klimaschutz ausgerichtet sind ClimateTech-Innovationen. Diese lassen sich in drei große Kategorien einteilen: Technologien zur Eindämmung des Klimawandels, Technologien zur Anpassung an den Klimawandel sowie Technologien zur Überwachung und Bewertung der Entwicklung (UNDP 2025).
Fokus Klimaschutz – Hintergründe
Zentrales Ziel des Klimaschutzes ist es, Treibhausgas-Emissionen erheblich zu reduzieren und dadurch die Erwärmung des Planeten zu begrenzen. Die EU möchte den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 auf Netto-Null drücken und damit Klimaneutralität erreichen, Deutschland bereits bis 2045.
Definition Klimaneutralität:
„Klimaneutralität bedeutet, dass die aufgrund menschlicher Aktivitäten entstehenden Treibhausgasemissionen, z. B. die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursachten Emissionen von Kohlendioxid (CO₂), in der Atmosphäre erheblich verringert werden, um sicherzustellen, dass das Klimasystem nicht beeinträchtigt wird.
Die Emissionen, die nur schwer zu beseitigen sind, werden durch CO₂-Entnahmen kompensiert, d. h. CO₂ wird entweder auf natürliche Weise durch die Vegetation oder durch mechanische Systeme aus der Atmosphäre entnommen. In einer klimaneutralen Wirtschaft gibt es eine Netto-Null-Emissionsbilanz.“ (Europäischer Rat o. J.)
Gleichzeitig gewinnen Maßnahmen der Klimaanpassung an Bedeutung, da die Auswirkungen des Klimawandels spürbar zunehmen. Dazu gehören die Bewältigung von Extremwetterereignissen, die Anpassung an steigende Temperaturen oder der Umgang mit Wasserknappheit in der Landwirtschaft.
Ein Blick auf die Emissionsquellen macht deutlich, in welchen Bereichen die größten Hebel für Klimaschutz liegen. Global betrachtet war 2024 der Energiesektor mit 15,6 Gigatonnen CO2-Äquivalent (27 Prozent) der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen, gefolgt vom Verkehr mit 8,4 Gigatonnen (15 Prozent) und der industriellen Energienutzung mit 6,5 Gigatonnen (11 Prozent). Die Landwirtschaft trägt insgesamt rund 11 Prozent zur weltweiten Emissionsbilanz bei, davon entfallen etwa sechs Prozent auf die Viehzucht (Statista 2025).
